Die Makula ist die Stelle des schärfsten Sehens, ein Bereich von wenigen Millimetern in der Mitte der Netzhaut. Dort lesen Sie, dort erkennen Sie Gesichter, dort sehen Sie Farben. Wenn sie Schaden nimmt, bleibt das äußere Gesichtsfeld erhalten, und genau das macht die Erkrankung so schwer verständlich für Außenstehende.
Wenn gerade Linien plötzlich verbogen aussehen
Wenn Türrahmen, Fliesenfugen oder Zeilen in der Zeitung auf einmal wellig erscheinen, oder wenn mitten im Blickfeld ein grauer Fleck auftaucht, klären Sie das bitte innerhalb weniger Tage ab. Bei der feuchten Form zählt jede Woche, und je früher behandelt wird, desto mehr Sehvermögen bleibt erhalten. Melden Sie sich bei uns oder gehen Sie in eine Augenambulanz.
Woran Sie es merken
- Gerade Linien wirken verbogen oder wellig.
- Beim Lesen fehlen einzelne Buchstaben in der Wortmitte.
- Ein grauer oder verwaschener Fleck sitzt mitten im Blickfeld.
- Sie brauchen zum Lesen immer mehr Licht.
- Gesichter sind schwer zu erkennen, obwohl Sie sich im Raum gut zurechtfinden.
- Farben wirken blasser.
Ein Punkt, der oft übersehen wird: Solange ein Auge gesund ist, gleicht es die Lücke des anderen aus. Deshalb merken viele Menschen lange nichts. Decken Sie zur Probe abwechselnd ein Auge ab und schauen Sie auf ein kariertes Blatt oder die Fliesen im Bad. Fallen Ihnen dabei Verzerrungen auf, lassen Sie es untersuchen.
Die altersbedingte Makuladegeneration
Das ist die häufige Form. In Österreich leben schätzungsweise 125.000 Menschen damit, und jenseits des 50. Lebensjahres ist sie in den Industriestaaten die häufigste Ursache für schwere Sehbehinderung. Mit steigendem Alter nimmt die Häufigkeit deutlich zu.
Unterschieden werden zwei Verläufe, und der Unterschied entscheidet alles Weitere.
Die trockene Form
Rund 80 Prozent der Fälle. Unter der Netzhaut lagern sich Stoffwechselreste ab, das Gewebe wird schlechter versorgt und bildet sich langsam zurück. Das geht meist über Jahre und bleibt lange erträglich, kann aber im Spätstadium ebenfalls zu starkem Verlust in der Mitte führen.
Eine Behandlung, die den Verlauf aufhält, gibt es nicht. Was bleibt, ist regelmäßige Kontrolle, der rechtzeitige Wechsel in vergrößernde Sehhilfen, und das Erkennen des Übergangs in die feuchte Form.
Die feuchte Form
Seltener, aber dringend. Unter der Netzhaut wachsen neue, undichte Gefäße ein, Flüssigkeit sammelt sich, und das Sehen in der Mitte kann innerhalb von Wochen einbrechen. Das ist der Fall, in dem schnelles Handeln den Unterschied macht.
Behandelt wird mit Medikamenten, die ins Auge eingebracht werden und das Gefäßwachstum bremsen. Das geschieht in einer Augenambulanz oder einem darauf eingerichteten Zentrum, nicht in einer Ordination. Meist sind mehrere Behandlungen in Abständen nötig, und der Erfolg hängt stark davon ab, wie früh begonnen wird.
Was den Verlauf beeinflusst
Rauchen ist der mit Abstand größte beeinflussbare Faktor. Aufhören lohnt sich in jedem Alter und bei jedem Stadium. Dazu kommen Blutdruck und Blutzucker, die wir hier gleich mitbeurteilen können, sowie konsequenter UV-Schutz.
Zu Nahrungsergänzungen sagen wir Ihnen ehrlich, was bekannt ist: Für bestimmte Zusammensetzungen gibt es Hinweise, dass sie bei fortgeschrittener trockener Form das Fortschreiten etwas verlangsamen können. Für gesunde Augen oder frühe Stadien ist ein Nutzen nicht belegt. Welches Präparat in Ihrem Fall sinnvoll ist und welches nicht, besprechen wir beim Termin, statt Ihnen etwas zu verkaufen.
Die juvenile Form: Morbus Stargardt
Wer nach Makuladegeneration sucht, findet fast überall Seiten über Menschen ab 50. Für Eltern, deren Kind die Diagnose bekommen hat, ist das wenig hilfreich. Deshalb steht hier auch die andere Form, ausführlich.
Die juvenile Makuladegeneration heißt in den meisten Fällen Morbus Stargardt. Sie beginnt im Kindes- oder Jugendalter, gelegentlich auch erst später. Mit etwa einem Fall auf 6.500 bis 10.000 Menschen ist sie die häufigste erbliche Erkrankung der Makula.
Was im Auge passiert
Ursache ist eine Veränderung im Gen ABCA4. Dieses Gen baut ein Transportprotein in den Sehzellen. Fehlt es oder arbeitet es schlecht, sammelt sich ein Stoffwechselabfall unter der Netzhaut an und schädigt die Zellen über Jahre. Betroffen ist zuerst und vor allem die Makula.
Die Vererbung, und warum niemand in der Familie betroffen ist
Der Erbgang ist autosomal rezessiv. Es braucht zwei veränderte Kopien des Gens, eine vom Vater und eine von der Mutter. Beide Eltern sind dabei selbst gesund und wissen in aller Regel nichts davon.
Daraus folgt dreierlei. Erstens: Dass in der Familie niemand betroffen ist, spricht nicht gegen die Diagnose, sondern ist der Normalfall. Zweitens: Für jedes weitere Kind desselben Elternpaares liegt das Risiko bei 25 Prozent. Geschwister sind damit die eigentliche Risikogruppe und sollten untersucht werden. Drittens: Für die Kinder eines Betroffenen ist das Risiko dagegen gering, weil auch der andere Elternteil Anlageträger sein müsste. Da Anlageträger nicht selten sind, kommt das aber vor, und dann sieht es aus, als würde die Erkrankung direkt vom Elternteil weitergegeben.
Warum der Verlauf so unterschiedlich ist
Im ABCA4-Gen sind sehr viele verschiedene Veränderungen bekannt, und sie wiegen unterschiedlich schwer. Treffen zwei schwere zusammen, beginnt es früh und schreitet rasch voran. Trifft eine schwere auf eine milde, kann es erst im Erwachsenenalter auffallen.
Typisch ist außerdem kein stetiges Nachlassen, sondern ein deutlicher Einbruch über wenige Jahre und danach ein langes Plateau, auf dem sich wenig ändert. Das ist wichtig zu wissen, weil frisch Diagnostizierte oft befürchten, es gehe nun gleichmäßig weiter bergab.
Was Stargardt nicht bedeutet
Es führt nicht zur vollständigen Blindheit. Das äußere Gesichtsfeld bleibt in aller Regel erhalten, die Orientierung im Raum funktioniert. Was verloren geht, ist die Mitte: Lesen, Gesichter, Details. Von außen wirkt das widersprüchlich, und Betroffene müssen sich oft erklären, warum sie sicher durch den Raum gehen und trotzdem nicht grüßen.
Was man heute tun kann
Eine zugelassene Therapie gibt es nicht. Zwei Dinge sind aber gesichert und werden oft nicht gesagt.
Keine hochdosierten Vitamin-A-Präparate. Vitamin A ist der Ausgangsstoff für genau den Stoff, der sich im Auge ansammelt. Normale Ernährung ist unproblematisch, Nahrungsergänzung in hoher Dosierung sollte vermieden werden. Das gilt ausdrücklich auch für Präparate, die bei der altersbedingten Form empfohlen werden.
Konsequenter Lichtschutz. Eine Sonnenbrille mit geprüftem UV-Schutz, und zwar nicht nur im Sommer. Dazu Kantenfilter, die die Blendung deutlich reduzieren und den Kontrast anheben. Welche Filterkante als angenehm empfunden wird, ist individuell und wird ausprobiert.
Woran geforscht wird
Mehrere Ansätze sind in klinischer Erprobung, von Medikamenten über Gentherapie bis zu Stammzellen. Das ABCA4-Gen ist allerdings größer als das, was die üblichen Genfähren transportieren können, deshalb ist der einfache Weg des Genersatzes versperrt.
Der interessanteste Fortschritt kam Anfang 2025 aus Basel: Statt das Gen zu ersetzen, wurde ein einzelner falscher Baustein im Erbgut korrigiert, mit hohen Korrekturraten. Das geschah allerdings an Tieren und an menschlichem Gewebe, Studien am Menschen stehen noch aus. Bis zu einer Anwendung dauert es.
Was wir Betroffenen trotzdem raten: die genetische Untersuchung machen zu lassen, wenn sie noch nicht erfolgt ist. Nicht weil sie heute die Behandlung ändert, sondern weil kommende Therapien auf bestimmte Genveränderungen zugeschnitten sein werden. Wer seine Variante kennt, kommt für Studien in Frage. Das läuft über eine spezialisierte Stelle, und eine genetische Beratung gehört dazu, besonders wenn Geschwister oder ein Kinderwunsch im Spiel sind.
Wie wir untersuchen
Sehschärfe und Amsler-Test
Zuerst messen wir, wie gut Sie sehen, und prüfen mit einem Gitternetz, ob gerade Linien für Sie verbogen erscheinen. Das klingt simpel und ist eines der empfindlichsten Warnzeichen.
Untersuchung des Augenhintergrunds
Dafür weiten wir die Pupille mit Tropfen. Danach sind Sie mehrere Stunden blendempfindlich und nicht fahrtüchtig, bitte planen Sie das ein.
Schichtaufnahme der Netzhaut (OCT)
Ein Gerät tastet die Netzhaut mit Licht Schicht für Schicht ab, ohne das Auge zu berühren. Es dauert wenige Minuten und ist schmerzfrei. Damit sieht man Flüssigkeit und Gewebeveränderungen, bevor sie sonst auffallen, und kann den Verlauf über Jahre vergleichen. Das ist die Untersuchung, die trockene und feuchte Form unterscheidet.
Besprechung und weiteres Vorgehen
Wir sagen Ihnen, was wir gesehen haben und was es bedeutet. Wenn eine Behandlung nötig ist, die wir nicht durchführen, schreiben wir den Befund so, dass die weiterbehandelnde Stelle sofort damit arbeiten kann.
Was wir machen und was nicht
Wir untersuchen, erkennen früh, kontrollieren den Verlauf und begleiten Sie dabei. Die Medikamentengabe ins Auge bei der feuchten Form erfolgt nicht bei uns, sondern in einer Augenambulanz oder einem spezialisierten Zentrum. Wo das stattfindet, wählen Sie selbst, wir sind an kein bestimmtes Haus gebunden. Die Kontrollen davor und danach machen wir.
Leben mit eingeschränkter Mitte
Hier liegt der Teil, bei dem sich in den letzten Jahren am meisten getan hat, und bei dem wir im Haus ungewöhnlich gut aufgestellt sind.
Vergrößernde Sehhilfen. Von der einfachen Leuchtlupe über Lupenbrillen bis zu elektronischen Lesegeräten. Welche Vergrößerung die richtige ist, hängt davon ab, wie viel Sehschärfe noch da ist, und das wird ausprobiert, nicht ausgerechnet.
Kantenfilter. Brillengläser, die den kurzwelligen Teil des Lichts wegschneiden. Sie reduzieren die Blendung und heben den Kontrast, verändern dafür die Farbwahrnehmung. Für gesunde Augen bringen sie nichts, bei Makulaerkrankungen oft sehr viel.
Licht. Der am meisten unterschätzte Punkt. Eine gut platzierte, blendfreie Leseleuchte bringt häufig mehr als jedes Hilfsmittel.
Was das Handy kann. Vorlesefunktion, Vergrößerung, Kontrastumkehr und Sprachsteuerung sind in jedem aktuellen Gerät eingebaut und kosten nichts. Für viele ist das der größte Gewinn an Selbstständigkeit, und oft weiß es niemand.
In unserem Team sind eine Optikerin und ein Optikermeister, der zusätzlich Orthoptist ist. Die Auswahl und Anpassung von Sehhilfen findet also hier statt und nicht in einem zweiten Termin woanders.
Grauer Star kommt oft dazu
Im höheren Alter tritt häufig zusätzlich eine Linsentrübung auf. Die ist operierbar, und die Operation lohnt sich auch bei einer Makulaerkrankung, weil sie Kontrast verbessert und Blendung reduziert. Manchen wird das nicht angeboten, weil jemand annimmt, es zahle sich ohnehin nicht mehr aus. Das stimmt nicht, und wir klären es mit Ihnen ab.
Was kostet das?
Makula: Untersuchung und Verlauf
Kassenleistung
- Untersuchung und Augenhintergrunde-card
- Sehschärfe und Amsler-Teste-card
Privatleistung
- Schichtaufnahme der Netzhaut (OCT)[[ Preis ]]
- OCT, Verlaufskontrolle[[ Preis ]]
- Anpassung vergrößernder Sehhilfen[[ Preis ]]
- Kantenfilter, Erprobung und Anpassung[[ Preis ]]
Enthalten sind Untersuchung, Aufnahme und die Besprechung des Befundes. Was in Ihrem Fall nötig ist, sagen wir Ihnen vorher.
LARA Partnerin von UNIQA
Unsere Ordination ist LARA Partnerin von UNIQA. Je nach Versicherungsschutz kann die Abrechnung ambulanter Leistungen direkt mit UNIQA erfolgen.
Weitere Leistungen
Termin vereinbaren
Für eine Abklärung oder eine Verlaufskontrolle buchen Sie bitte online eine Jahreskontrolle. Wenn Sie Verzerrungen bemerkt haben, rufen Sie an und sagen Sie es dazu, dann suchen wir einen früheren Platz.
Telefonisch erreichbar
Das Telefon ist nur in den Randzeiten der Ordination besetzt. Diese Zeiten sind daher nicht die Ordinationszeiten.
| Montag | 11:30–14:00 & 16:00–19:00 |
| Di & Do | 09:00–10:30 & 11:30–13:00 |
| Freitag | 09:30–12:30 & 14:00–16:00 |
Telefon +43 1 909 22 22
E-Mail anmeldung@schild-burggasser.at
Ketzergasse 51, EG, 1230 Wien, barrierefrei